Sessel, die mehr können: Vom Hingucker zum Allrounder fürs Wohnzimmer

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Ich stand vor einem zwei Meter tiefen Raum und sollte ein Wohnzimmer einrichten. Keine Couch passte rein, keine Kombination aus Modulen. Der Kunde brauchte aber Sitzplätze für sich und seine Gäste. Damals habe ich zum ersten Mal verstanden, wie unterschätzt die richtigen living room armchairs sind. Ein einzelner Sessel kann nämlich mehr, als nur gut auszusehen. Wenn Sie auf knappem Grundriss leben oder regelmäßig Übernachtungsbesuch bekommen, müssen Sie jedes Möbelstück zweimal durchdenken. Ich selbst habe ein paar Jahre in einer 42-Quadratmeter-Wohnung gewohnt. Da war jeder Quadratmeter wertvoll. Und ich habe gelernt: Ein Sessel muss mitdenken.



Nehmen Sie das Problem der übernachtenden Gäste. In einer kleinen Wohnung haben Sie selten ein eigenes Gästezimmer. Früher habe ich eine Luftmatratze aufgepumpt, die nach zwei Stunden entlüftet war und morgens zwischen Bücherregal und . Die Lösung? Ein Sessel, der sich in eine Liegefläche verwandelt. Die Industrie nennt das oft sofa bed im Kleinformat. Aber Vorsicht: Nicht jedes Modell taugt für eine erwachsene Person. Achten Sie auf die Matratzenstärke. Ein reiner Schaumstoffblock von fünf Zentimetern reicht nicht. Sie wollen eine Liegefläche mit mindestens zwölf Zentimetern Polsterung, damit die Schultern nicht auf dem Rahmen drücken. Die besseren Exemplare haben eine separate foam mattress von 16 Zentimetern auf einem stabilen slatted frame. Das klingt nach Luxus, ist aber reine Rücksicht auf den Rücken Ihrer Gäste.



Dann ist da die Frage des Stauraums. In einem kleinen Wohnzimmer haben Sie vielleicht keinen Platz für einen Kleiderschrank, geschweige denn für zusätzliche Bettwäsche. Genau hier kommt ein bed with storage ins Spiel, verpackt als eleganter Sessel. Ich habe ein Modell gesehen, bei dem der Sockel des Sessels eine klassische Schublade verbirgt. 60 Zentimeter breit, 40 tief. Da passen zwei Kopfkissen, eine dünne Wolldecke und ein Satz frischer Bettlaken hinein. Das ist kein Spielzeug, sondern pragmatische Raumplanung. Wenn der Besuch geht, verschwindet das ganze Zeug im Sessel, und niemand sieht die Kissenberge auf dem Regal. Und falls Sie denken, dass solche Möbel klobig aussehen: Moderne Hersteller bauen Schubladen mit Soft-Close-Funktion und kaschieren sie hinter durchgehenden Fronten.



Ein klassisches Problem beim platzsparenden Wohnen ist der Mechanismus. Ich habe schon Sofas auseinandergenommen, deren Ausziehfunktion nach zwei Jahren klemmte. Bei einem living room armchair, der als Schlafmöbel dient, ist das noch ärgerlicher, weil Sie ihn öfter aus- und wieder einklappen müssen. Achten Sie auf einen click-clack mechanism. Das ist die Technik, bei der Sie die Rückenlehne einfach nach hinten drücken, bis sie einrastet. Kein Hebeln, kein Ziehen an versteckten Griffen. Ein einfaches Handgriff-System. Allerdings: Der click-clack mechanism braucht etwas Abstand zur Wand. Planen Sie mindestens zehn Zentimeter Luft ein, sonst knallt die Rückenlehne gegen die Tapete. Und testen Sie vor dem Kauf, ob sich die Liegefläche wirklich flach legt. Manche günstigen Modelle erzeugen eine leichte Schräge, auf der Sie nachts zum Fußende rutschen.



Jetzt zur Optik. Ein Sessel, der beides kann, muss trotzdem ins Wohnzimmer passen. Ich rate Kunden immer zu einem Stoff, der strapazierfähig ist, aber nicht nach Büromöbel aussieht. velvet upholstery ist mein persönlicher Geheimtipp. Samt kaschiert kleine Gebrauchsspuren, fühlt sich warm an und wirft das Licht schön diffus. Ein dunkelgrüner oder senffarbener Samtsessel setzt einen Akzent, ohne aufdringlich zu sein. Und er ist robust genug, um die wöchentliche Verwandlung vom Sitz- zum Liegemöbel zu überstehen. Achten Sie auf einen Scheuertourenwert von mindestens 50.000, sonst können Sie nach einem Jahr erste Glanzstellen sehen, besonders an den Armlehnen, wo die Gäste sich abstützen.



Ich will aber nicht verschweigen, dass solche Kombimöbel Kompromisse fordern. Ein living room armchair mit Schlaffunktion ist nie so bequem wie ein festes Bett. Die Liegefläche ist schmaler, etwa 120 Zentimeter statt der üblichen 140. Für eine Person ist das völlig in Ordnung, für ein Paar wird es eng. Und die Sitzposition ist manchmal etwas höher als bei einem reinen Fernsehsessel, weil der Mechanismus darunter Platz braucht. Messen Sie vorher, ob die Sitzhöhe für Ihre Beine passt. Für kleinere Personen unter 1,65 Meter können 48 Zentimeter Sitzhöhe unangenehm sein, dann baumeln die Füße. Gleiches gilt für die Sitztiefe. Zu tief und Sie rutschen nach vorn, zu kurz und die Oberschenkel werden abgedrückt.



Ein anderer Punkt, der oft übersehen wird, ist das Gewicht. Ein stabiler Sessel mit Schlaffunktion, massivem Gestell und integrierter Schublade wiegt schnell 40 bis 50 Kilogramm. Sie werden ihn nicht jeden Tag hin und her schieben. Also überlegen Sie, wo er stehen soll. In einer Ecke, wo er nicht im Weg ist, aber auch nicht zu weit von der Steckdose entfernt, wenn Sie abends das Handy laden. Und reinigen Sie den Mechanismus einmal im Jahr. Eine kleine Dose Sprühfett für die Metallschienen verlängert die Lebensdauer massiv. Ich habe gesehen, wie billige Pulverbeschichtung nach drei Wintern abblättert, weil die Luftfeuchtigkeit im Raum die Mechanik angreift.



Als ich meinem Kunden schließlich einen Sessel mit click-clack mechanism und eingebauter Schublade empfohlen habe, war er skeptisch. Er dachte an unbequeme Notlösungen. Nach zwei Wochen rief er an und bedankte sich. Seine Schwester hatte übernachtet und auf der ausgeklappten foam mattress geschlafen. Sie sei am Morgen ausgeruht aufgewacht. Das ist der Punkt, an dem Möbel ihren Zweck erfüllen. Wenn Sie also vor der Frage stehen, wie Sie Ihre Wohnzimmerfläche doppelt nutzen können, ohne dass es nach Campingplatz aussieht, dann schauen Sie genau hin. Prüfen Sie den Mechanismus, die Bezugsqualität und den Stauraum. Ein guter living room armchair wird zum stillen Helfer im Alltag, der sich tagsüber als Sitzmöbel tarnt und nachts als Bett entpuppt. Und das, ohne Kompromisse bei der Optik zu machen. Wer clever plant, gewinnt Raum und Ruhe.